42. Winterlaufserie Rheinzabern 20 KM – Ein Kuchendiagramm
Der 20-km-Lauf in Rheinzabern liefert den Karlsruher Lemmingen auch in diesem Jahr eine breite Datengrundlage: schnelle Zeiten an der Spitze, dicht gestaffelte Ergebnisse im Mittelfeld und viel Gesprächsstoff im Zielbereich. Neben Zeiten, Strecke und Trainingsstand rückt hier aber auch ein bislang unterschätzter Faktor in den Fokus: der Verzehr von Backwaren nach dem Lauf.
An der Spitze des Teams läuft Julian Beisel mit 1:08:49 Stunden auf Gesamtplatz 20 und setzt damit die klare Referenz. Dahinter folgt eine kompakte Leistungsgruppe im Bereich zwischen 1:12 und 1:18 Stunden, die geschlossen unter den ersten 125 des Gesamtfeldes bleibt und sich mehrfach im vorderen Drittel der jeweiligen Altersklassen platziert.
Das breite Mittelfeld prägt den Teamauftritt. Mehrere der insgesamt 22 Startenden erreichen Zeiten zwischen 1:23 und 1:30 Stunden, insbesondere in der stark besetzten AK30, in der die Lemminge dicht gestaffelt ins Ziel kommen. Auch darüber hinaus bleibt das Team präsent: Zwischen 1:30 und 1:46 Stunden bringen weitere Läufer:innen ihre Rennen kontrolliert zu Ende.
Marlene Beinert erreicht mit 1:37:47 Stunden den ersten Platz bei den Lemming-Frauen. In den höheren Altersklassen sichern sich weitere Athletinnen stabile Platzierungen, darunter ein vierter Rang in der AK65.
Nach dem Zieleinlauf beginnt der inoffizielle zweite Wettkampfteil. Doch wer glaubt, die Entscheidung zwischen Käsekuchen und Waffel falle spontan, unterschätzt die mentale Vorbereitung. Die Wahl am Kaffeestand ist oft das Spiegelbild der vorangegangenen 20 Kilometer – oder sogar deren Antriebsfeder.
Studiendesign und Stichprobe
Für die Analyse steht eine Stichprobe von zwölf namentlich erfassten Athlet:innen zur Verfügung. Ergänzt wird sie durch eine klar abgrenzbare Kontrollgruppe: Startende, die nach dem Lauf vollständig auf Kuchen verzichten. Die Datenerhebung erfolgt beobachtend und retrospektiv im Zielbereich. Eine Randomisierung findet nicht statt. Die Aussagekraft liegt entsprechend im interpretativen Bereich.
Die Null-Kuchen-Kontrollgruppe
Zwei Athlet:innen entscheiden sich bewusst gegen den Verzehr von Kuchen. Diese Gruppe zeichnet sich durch eine hohe intrinsische Motivation aus, die keine externen Kohlenhydrat-Anreize benötigt. Beide erreichen das Ziel zuverlässig und ohne erkennbare Leistungseinbußen. Ein leistungsbezogener Vorteil lässt sich nicht erkennen. Die Kontrollgruppe bestätigt damit: Kuchenverzicht wirkt leistungsneutral, beeinflusst aber möglicherweise die Nachbereitung.
Die Mehrkuchen-These
Vier Athleten visualisierten bereits ab Kilometer 15 mehr als eine Backware. Da sich diese Gruppe jedoch aus drei Läufern im Mittelfeld und dem Gesamtsieger zusammensetzt, ergibt sich eine signifikante Standardabweichung innerhalb der Stichprobe. Das bedeutet: Die Aussicht auf doppelte Belohnung korreliert nicht mit einer bestimmten Pace. Die Kuchenmenge ist somit kein Prädiktor für die Zielzeit, sondern ein leistungsklassenübergreifendes Motivationsphänomen – vom Spitzen- bis zum Mittelfeld.
Leichte vs. schwere Optionen
Ein Vergleich zwischen leichteren, zuckerbetonten Varianten und schweren, cremigen Backwaren zeigt ein klares Muster im Verhalten. Leichtere Optionen gehen häufiger mit längerer aktiver Bewegung im Zielbereich einher, etwa lockeres Gehen oder Stehen. Schwere Optionen fördern die unmittelbare Regeneration im Sitzen. Die Laufzeiten unterscheiden sich zwischen beiden Gruppen nicht signifikant. Der Effekt bleibt auf die Phase nach dem Rennen beschränkt.
Ausreißer
Ein einzelner Athlet entschied sich für die protein- und salzbetonte „Bockwurst-Strategie“. Seine starke Platzierung im vorderen Mittelfeld lässt vermuten, dass hier ein elektrolyt-basierter Motivationsansatz vorlag. Während das Feld nach Süßem lechzte, zog ihn die Aussicht auf Salz durch das Rennen. Ein spannender Sonderfall für künftige Studien.
Fazit
Der 20-km-Lauf in Rheinzabern bestätigt die sportliche Breite der Karlsruher Lemminge. Schnelle Zeiten an der Spitze, stabile Leistungen im gesamten Feld und viele saubere Rennen prägen den Auftritt. Die ergänzende Betrachtung des Zielbereichs zeigt: Kuchen beeinflusst nicht zwingend die Zeit auf der Strecke, aber deutlich das Miteinander danach.
Leistung entsteht im Training und im Rennen. Teamgefühl entsteht dort, wo Zahlen enden und Gespräche beginnen.
Alle Ergebnisse findet ihr unter diesem Link. Wir danken dem TV 1890 Rheinzabern e.V. für die tolle Organisation und freuen uns schon auf nächstes Jahr!
Text: Erik Schöfer; Fotos: Patrick Harms









